"Für diese Krise hatten wir keinen Notfallplan!"

Burkhard Scholz, Chef des INSELHOTELs auf Hermannswerder, über Corona, Existenzangst, Hoffnung und Tränen in der Potsdamer Tageszeitung vom 28.03.2020

Wer ein Unternehmen aufgebaut hat, weiß: Dies ist eine risikoreiche Angelegenheit. Vor einem Vierteljahrhundert habe ich das Inselhotel fast ausschließlich aus Bankdarlehen gegründet und immer wieder in das Hotel investiert, um unser Haus zukunftsfähig zu machen – auch das mit Hilfe von Krediten.

Wir haben 176 Betten, ein Restaurant mit Seeterrasse, drei Bars, einen Schiffsanleger, einen kleinen Bootshafen, ein Tagungs- und Bankett-Center, ein Spa- und Wellnesscenter. Wir sind anerkannter Ausbildungsbetrieb, ausgezeichnet mit dem Großen Preis des Mittelstandes, wurden mehrfach geehrt für die Integration von Flüchtlingen. Doch warum erwähne ich das angesichts dieser fast lautlos auf uns zu rollenden Corona-Krise?

Lange schien der Ausbruch des Coronavirus weit weg. Niemand schien dieses Inferno vorherzusehen, das nun mühsam aufgebaute Existenzen in wahnsinniger Geschwindigkeit bedroht. Signale gab es für uns erst Ende Februar; da fragten die ersten Kunden, ob man nicht fest gebuchte Konferenzen wieder stornieren könnte.

Plötzlich ging alles sehr schnell: Erst zwei, dann drei, dann Dutzende Absagen am Tag. Mit einem Mal gingen stündlich etliche Absagen ein. Schon in der ersten Märzwoche war den meisten Mitarbeitern und mir klar: Hier baut sich ein gewaltiges Erdbeben auf, und wir können nichts, aber auch gar nichts dagegen tun. Uns war zum Heulen! Bei einigen flossen Tränen, andere verharrten kurzzeitig in Schockstarre!

Nur wenige sahen nicht die Dimension für unser Unternehmen und für die eigene Existenz. Die Folgen des 11. September 2001 und die der Finanzkrise 2008/2009 waren aus der wirtschaftlichen Betrachtung nichts im Vergleich mit dieser Krise, die Corona heißt.

Ich habe nächtelang wach gelegen und nach dem besten Weg für mein Unternehmen gesucht, für mein wunderbares Team. Ich musste handeln, schnell handeln, denn ohne Gäste haben wir als Hotel keine wirtschaftliche Basis.

Erste Verlautbarungen der Politik trieben zur Arbeitsagentur. Ich war früh dran, noch gingen nicht viele Unternehmen diesen Schritt, so dass ein Mitarbeiter persönlich vorbeikam und uns die gesetzlichen Rahmenbedingungen des Kurzarbeitergeldes erläuterte.

Ich musste meine Mitarbeiter so schnell wie möglich unterstützen, denn aus eigener Kraft hätte ich die Gehälter nicht mehr voll zahlen können. Inzwischen sind fast alle unsere Mitarbeiter in Kurzarbeit Null, das heißt, sie bleiben zu Hause und bekommen Kurzarbeitergeld. Wir bemühen uns, den Kontakt nicht zu verlieren, haben eigens eine Whatsapp-Gruppe gebildet, tauschen Neuigkeiten aus. Denn in fast 25 Jahren ist ein tolles Team entstanden.

Die Verantwortlichen in der Politik haben den Ernst der Lage offenbar erkannt. Nun hoffen wir auf finanzielle Unterstützung, denn was in 25 Jahren mühsam aufgebaut wurde, darf diesem Virus nicht zum Opfer fallen. Dabei ist es wichtig, dass auch die Menschen, die vom Kurzarbeitergeld leben müssen, nicht vergessen werden! Denn 60 oder 67 Prozent für alleinerziehende Mütter oder Familien reichen nicht zum Leben. Eine Erhöhung auf 80 Prozent ist aus meiner Sicht dringend notwendig.

Doch auch wir als Hotel können ohne finanzielle Unterstützung nicht lange durchhalten. Wenn Einnahmequellen fehlen, ein Teil der Kosten aber weiter läuft, sind die Finanzreserven bald aufgezehrt, ist die Insolvenz nur eine Frage der Zeit. Doch es braucht nicht nur jetzt Zuschüsse, die uns jetzt das Überleben ermöglichen. Wenn diese gewaltige Krise eines Tages vorbei ist, braucht es Anschubfinanzierungen, damit ein Neubeginn überhaupt möglich wird. Sonst freut sich der berühmte Dritte, der das Hotel als Konkursobjekt billig erwirbt.

Für diese Krise, das muss ich offen zugeben, hatten wir keinen Notfallplan im Schreibtisch. Wenn ich Corona überhaupt etwas Gutes abgewinnen kann, dann ist es die wunderbare Solidarität, die wir in den letzten Tagen durch die Potsdamer Arbeitsagentur, die IHK, den Dehoga Brandenburg, die ILB, die Brandenburger Wirtschaftsförderung und die Berliner Volksbank erfahren haben.

Ich wurde christlich erzogen und stelle besonders in diesen Tagen mehr und mehr fest, dass mir der Glaube ein wahrer Kraftspender ist. Jede Handreichung empfinde ich als ein Geschenk Gottes. Ich wünsche allen Lesern, dass sie gesund und stark über diese schwierige Zeit kommen.

Ein Hotel zu betreiben, war für Burkhard Scholz ein Kindheitstraum. Bevor er ihn sich 1996 mit der Eröffnung des Inselhotels erfüllt, war er Verwaltungsleiter der Hoffbauerstiftung in Potsdam.

Quellenangabe: Potsdamer Tageszeitung vom 28.03.2020, Seite 16

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