{"id":17657,"date":"2018-09-18T08:26:53","date_gmt":"2018-09-18T06:26:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.inselhotel-potsdam.de\/?p=17657"},"modified":"2018-09-18T10:16:27","modified_gmt":"2018-09-18T08:16:27","slug":"nun-bin-ich-ein-potsdamer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.inselhotel-potsdam.de\/en\/2018\/09\/nun-bin-ich-ein-potsdamer\/","title":{"rendered":"Nun bin ich ein Potsdamer!"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hallo, ich bin Herr Ronis und ich komme aus der Ukraine. Ich lebe seit fast 20 Jahren mit meiner Familie in Deutschland und bin gelernter Koch.<\/p>\n<p><em>Wie haben Sie die deutsche Sprache gelernt?<\/em><\/p>\n<p>Als ich nach Deutschland gekommen bin, war ich in einem Programm, wo ich erstmal sechs Monate einen Deutschkurs besucht und dann in unterschiedlichen K\u00fcchen gearbeitet habe. Ich war unter anderem schon im Krongut in Potsdam und in Werder in einem Familienbetrieb t\u00e4tig. Danach habe ich \u00fcber viele Jahre in Berlin in verschiedenen Minijobs gearbeitet und seit zwei Jahren arbeite ich nun im INSELHOTEL Potsdam.<\/p>\n<p><em>Da haben Sie ja schon eine aufregende Zeit hinter sich.<\/em><\/p>\n<p>Herr Ronis: Ja, ich bin sehr froh, dass ich jetzt hier bin. Es ist ruhiger und der K\u00fcchenchef ist sehr nett. Ich arbeite jetzt in der Fr\u00fchst\u00fccksk\u00fcche und muss zum Gl\u00fcck nicht mehr am Abend arbeiten. Das wollte ich nicht mehr. Ich wollte eine familienfreundlichere Arbeitszeit. Ab und zu helfe ich auch mal gerne im Abendgesch\u00e4ft mit.<\/p>\n<p><em>Das Thema \u201eArbeitszeiten\u201c ist eine schwierige Thematik f\u00fcr alle K\u00f6che, oder? In den Interviews mit unserem <a href=\"https:\/\/www.inselhotel-potsdam.de\/en\/2017\/11\/unser-kuechenchef-stellt-sich-vor-2017\/\">K\u00fcchenchef Michael Friedel-Strempel<\/a>, unserem <a href=\"https:\/\/www.inselhotel-potsdam.de\/en\/?p=3562\">ehemaligen Kochlehrling Herr Horning<\/a> und unserem <a href=\"https:\/\/www.inselhotel-potsdam.de\/en\/?p=2174\">Sous Chef Constantin Schmidt<\/a> haben wir auch schon \u00fcber die Arbeitszeiten eines Koches gesprochen. Wie bringen Sie diesen Beruf mit Ihrer Familie unter einen Hut?<\/em><\/p>\n<p>Herr Ronis: Ja, ich kenne das Problem. Das ist fast unvereinbar. Man arbeitet am Abend und an den Wochenenden, dann wenn die Familie zuhause ist. Ich habe immer gearbeitet und habe nicht viel von meinen Kindern mitbekommen. Deshalb genie\u00dfe ich jetzt die Zeit hier so sehr und arbeite von morgens bis in den fr\u00fchen Nachmittag.<\/p>\n<p><em>Fehlt Ihnen da nicht das \u201erichtige Kochen\u201c? Denn als Fr\u00fchst\u00fcckskoch sind Sie f\u00fcr die Vorbereitung und das Anrichten des Fr\u00fchst\u00fccksbuffets zust\u00e4ndig und bereiten auf Wunsch, f\u00fcr die Fr\u00fchst\u00fccksg\u00e4ste frische Eierspeisen und andere kleine Aufmerksamkeiten zu.<\/em><\/p>\n<p>Herr Ronis: Nein, \u00fcberhaupt nicht. Das habe ich so viele Jahre gemacht und ich durfte schon wirklich viele Erfahrungen im Kochgesch\u00e4ft sammeln. Ich f\u00fchle mich jetzt im Fr\u00fchst\u00fccksbereich sehr wohl und koche ja manchmal mal am Abend mit. (lacht) Das reicht doch!<\/p>\n<p><em>Sie bereichern das internationale K\u00fcchenteam des INSELHOTEL Potsdam mit Ihrer ukrainischen Herkunft und kochen mit Kollegen aus \u00d6sterreich, Syrien, Kamerun, Afghanistan und dem Kosovo. Wie f\u00fchlen Sie sich hier aufgehoben?<\/em><\/p>\n<p>Herr Ronis: Das ist in den K\u00fcchen nun einmal so und ich kenne es nicht anders. Damit habe ich kein Problem.<\/p>\n<p><em>Warum sind Sie aus der Ukraine weggegangen?<\/em><\/p>\n<p>Herr Ronis: Als ich jung verheiratet war und meine Tochter zur Welt kam, wurde es immer schwieriger, einen guten Job als Koch zu finden. Meine Frau und ich wollten bessere berufliche Chancen f\u00fcr uns, aber auch f\u00fcr unser Kind, deshalb sind wir gegangen. Bevor wir nach Deutschland gekommen sind, hatte meine Frau auch schon einen Deutschkurs absolviert. Ich habe erst hier mit einem sechsmonatigen Sprachkurs begonnen. Aber sechs Monate sind einfach viel zu wenig, um die deutsche Sprache zu erlernen. Mein Gl\u00fcck war, dass ich in Werder in einem sehr netten Familienbetrieb arbeiten durfte. Dort habe ich bei der Arbeit viel von der deutschen Sprache gelernt. Ich bin jemand, der eher beim Miteinander und beim praktischen Erfahren lernt. Das war wirklich gut.<\/p>\n<p><em>Da hatten Ihre Kinder es sicher viel einfacher eine neue Sprache zu erlernen?<\/em><\/p>\n<p>Herr Ronis: Ja, das stimmt. Meine T\u00f6chter hatten mit der deutschen Sprache keine Probleme. Meine \u00e4ltere Tochter war im Kindergartenalter und die J\u00fcngere wurde in Deutschland geboren. Sie sprechen beide akzentfrei Deutsch. Da ist es eher die russische Sprache, die f\u00fcr sie schwieriger ist.<\/p>\n<p><em>Wie oft besuchen Sie noch die alte Heimat?<\/em><\/p>\n<p>Herr Ronis: Nicht mehr so oft. Es ist viel weniger geworden. Ich habe noch viele Freunde in der alten Heimat und war im letzten Jahr mal wieder da. Fr\u00fcher sind wir noch jedes Jahr gefahren. Aber das hat sich inzwischen ge\u00e4ndert. Meine Eltern k\u00f6nnen uns nun auch ohne Visum in Deutschland besuchen. Das vereinfacht das Kontakthalten! Dazu kommt, dass wir nun schon fast 20 Jahre in Deutschland leben und hier unser Leben und unseren Freundeskreis aufgebaut haben. Somit \u00e4ndern sich die Schwerpunkte.<\/p>\n<p><em>Inzwischen sind Sie ein Potsdamer geworden. <\/em><\/p>\n<p>Herr Ronis: Ja, ich bin ein Potsdamer und f\u00fchle mich hier zuhause. Aufgrund der gro\u00dfen Entfernung zwischen der Ukraine und Deutschland bleiben nun mal nur sehr enge Kontakte zur Familie und ein paar Freunden erhalten. Das ist doch ganz normal!<\/p>\n<p><em>Wie sehen Ihre weiteren beruflichen Pl\u00e4ne aus? <\/em><\/p>\n<p>Herr Ronis: Ich f\u00fchle mich jetzt sauwohl hier (lacht) und m\u00f6chte weiterhin hier arbeiten. Ich habe heute auch \u00fcbrigens mein zweij\u00e4hriges Jubil\u00e4um hier im Hotel. In der K\u00fcche l\u00e4uft es gut. Und der K\u00fcchenchef wei\u00df gute Arbeit zu honorieren! Er bedankt sich, wenn alles gut l\u00e4uft. Das gef\u00e4llt mir, wenn ich ein positives Feedback und Anerkennung f\u00fcr meine Arbeit erhalte. Das macht eine gute Arbeit aus. (lacht) Ich muss auch mal sagen, dass aus meiner Erfahrung heraus, f\u00fcr den ganzen unangenehmen Stress, von dem immer gesprochen wird, immer der K\u00fcchenchef verantwortlich ist. Es liegt meist an der F\u00fchrungsart! Denn ist der K\u00fcchenchef unzufrieden mit seiner Arbeit oder hat seine Mannschaft nicht im Griff, f\u00e4rbt diese schlechte Stimmung meist auf das gesamte Team ab. Das macht ganz viel aus. Es ist sicher unbestritten, dass die Arbeit in der Gastronomiek\u00fcche anstrengend ist, aber es steht und f\u00e4llt nun mal mit dem K\u00fcchenchef. Strahlt dieser eine gewisse Ruhe und Gelassenheit aus, ist das Arbeitsklima gleich viel angenehmer.<\/p>\n<p><em>Haben Sie manchmal das Bed\u00fcrfnis eigene Ideen f\u00fcr das Fr\u00fchst\u00fcck umzusetzen und wenn ja, welche?<\/em><\/p>\n<p>Herr Ronis: Also aus meiner Erfahrung muss man da in Deutschland immer aufpassen. Einfach mal so etwas ab\u00e4ndern, kommt bei den G\u00e4sten meist nicht so gut an! (lacht) Die Leute sind nicht immer so aufgeschlossen. Sicher gibt es auch immer mal wieder jemanden, der sich etwas Neues w\u00fcnscht und auch probierfreudig ist. Aber die gro\u00dfe Masse ist doch gegen\u00fcber exotischen Speisen bzw. Ver\u00e4nderungen erstmal etwas vorsichtig eingestellt. Deshalb sollte man meiner Meinung nach den Fr\u00fchst\u00fccksstandard einhalten.<\/p>\n<p><em>Sind die Deutschen nicht probierfreudig genug?<\/em><\/p>\n<p>Herr Ronis: Teilweise. Es gibt inzwischen in den unterschiedlichsten Bereichen kulinarische Themenabende, zu denen man sich mal auf andere Speisekarten einl\u00e4sst. Aber grunds\u00e4tzlich bleibt es dann eben bei diesen speziellen Ausfl\u00fcgen. Es gibt neben der italienischen K\u00fcche nur noch zwei geschmackliche Richtungen die von Deutschen gerne gegessen werden. Das ist die t\u00fcrkische und die chinesische K\u00fcche. Es kommt nat\u00fcrlich auch immer darauf an, wo jemand aufgewachsen ist und mit welchen Geschmacksrichtungen er in Kontakt gekommen ist.<\/p>\n<p><em>Was isst man denn gern in der Ukraine?<\/em><\/p>\n<p>Herr Ronis: In der Ukraine isst man gerne die Hausmannskost. Auch das Obst und der Gem\u00fcseanbau sind dort besser. In der Ukraine ist es im Sommer sehr warm und die Erde ist zum Anbau von Obst &amp; Gem\u00fcse ist gut. Es gibt dort mehr biologischen Anbau. Aufgrund der Temperaturen k\u00f6nnen nat\u00fcrlich auch Sorten angebaut werden, die in Deutschland aus klimatischen Gr\u00fcnden nicht wachsen. W\u00e4hrend in Deutschland viele Produkte aus anderen L\u00e4ndern importiert werden gibt es in der Ukraine mehr eigenen Anbau. Sicher, inzwischen kann man auch Obst und andere Gem\u00fcsesorten aus Italien kaufen. Aber ich finde geschmacklich gibt es da einen gro\u00dfen Unterschied.<\/p>\n<p><em>Was ist denn typische Hausmannskost in der Ukraine?<\/em><\/p>\n<p>Herr Ronis: (Denkpause)<\/p>\n<p><em>Man merkt, Sie sind eher Deutsch als Ukrainisch, wenn das nicht mehr so spontan kommt. (Lachen)<\/em><\/p>\n<p>Herr Ronis: Borschtsch (Gem\u00fcsesuppe mit Roter Bete) und auch Schmalz. Diese zwei Gerichte sind aufgrund der gemeinsamen Geschichte mit der russischen K\u00fcche vermischt. Aber Sie stammen urspr\u00fcnglich aus der Ukraine.<\/p>\n<p><em>Schmalz gibt es auch in Deutschland! <\/em><\/p>\n<p>Herr Ronis: Ja, typischer Schmalz in der Ukraine besteht jedoch aus viel mehr Speck und weniger Schmalz. (lacht) Also, richtiger Schweinespeck, in der richtigen Qualit\u00e4t.<\/p>\n<p>(Kleiner Hinweis der Autorin: Die Ukrainer sind f\u00fcr Ihre Liebe zum Speck bekannt. Der sogenannte Salo wird in der traditionellen K\u00fcche in vielen Variationen gereicht.)<\/p>\n<p><em>Ist die Ukraine eine Reise wert?<\/em><\/p>\n<p>Herr Ronis: Nat\u00fcrlich! Es gibt wundersch\u00f6ne St\u00e4dte mit toller Architektur und einer einmaligen Landschaft. Aber im Sommer ist davon abzuraten. Es ist sehr hei\u00df dort.<\/p>\n<p><em>Vielen Dank.<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_18212\" aria-describedby=\"caption-attachment-18212\" style=\"width: 730px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-18212\" src=\"https:\/\/www.inselhotel-potsdam.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Herr-Ronis-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"730\" height=\"973\" srcset=\"https:\/\/www.inselhotel-potsdam.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Herr-Ronis-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.inselhotel-potsdam.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Herr-Ronis-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 730px) 100vw, 730px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-18212\" class=\"wp-caption-text\">Fr\u00fchst\u00fcckskoch Herr Ronis<\/figcaption><\/figure>\n<p>Weitere Reisetipps f\u00fcr die Ukraine gibt Ihnen Herr Ronis sicher auch gerne bei Ihrem <a href=\"\/?page_id=715\">Fr\u00fchst\u00fcck im INSELHOTEL Potsdam<\/a> auf Ihre Nachfrage hin. Interessieren Sie sich f\u00fcr weitere pers\u00f6nliche Geschichten vom <a href=\"https:\/\/www.inselhotel-potsdam.de\/blog\/\">INSELHOTEL Potsdam-Team<\/a>? Dann klicken Sie sich doch mal durch unseren <a href=\"https:\/\/www.inselhotel-potsdam.de\/blog\/\">Blog<\/a> und schauen hinter die Kulissen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Wir w\u00fcnschen Ihnen eine erholsamen INSELHOTEL Potsdam-Aufenthalt.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Hallo, ich bin Herr Ronis und ich komme aus der Ukraine. Ich lebe seit fast 20 Jahren mit meiner Familie in Deutschland und bin gelernter Koch. Wie haben Sie die deutsche Sprache gelernt? 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